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Umwelt, Gene und Lebensstil – welche Faktoren die männliche Fruchtbarkeit beeinflussen

Warum die Spermienqualität unter Druck gerät

Ein unerfüllter Kinderwunsch betrifft viele Paare. Etwa in der Hälfte der Fälle spielen auch Faktoren auf Seiten des Mannes eine Rolle. Dabei sind die Ursachen oft vielfältig: Manche Männer haben eine angeborene oder genetische Veranlagung, bei anderen beeinflussen Lebensstil, Umwelt oder Erkrankungen die Fruchtbarkeit.

Seit mehreren Jahrzehnten beobachten Wissenschaftler weltweit, dass sich die Samenqualität vieler Männer verändert. In zahlreichen Studien wurden unter anderem sinkende Spermienzahlen beschrieben. Die genauen Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt. Fachleute gehen jedoch davon aus, dass mehrere Faktoren zusammenwirken – von genetischen Veränderungen über Umweltbelastungen bis hin zu modernen Lebensgewohnheiten.

Genetische Ursachen der männlichen Unfruchtbarkeit

Bei einigen Männern liegt die Ursache einer eingeschränkten Fruchtbarkeit in den Erbanlagen. Solche genetischen Veränderungen können dazu führen, dass nur wenige oder gar keine Spermien gebildet werden.

Klinefelter-Syndrom

Das Klinefelter-Syndrom ist die häufigste genetische Ursache einer männlichen Unfruchtbarkeit. Betroffene besitzen zusätzlich zum männlichen XY-Chromosomensatz ein weiteres X-Chromosom (XXY). Häufig kommt es dadurch zu einer verminderten Testosteronproduktion und einer deutlich eingeschränkten Spermienbildung.

Y-Chromosom-Mikrodeletionen

Auf dem Y-Chromosom befinden sich wichtige Gene für die Spermienproduktion. Fehlen kleine Abschnitte dieses Chromosoms – sogenannte Mikrodeletionen –, kann die Bildung von Spermien stark eingeschränkt oder vollständig aufgehoben sein.

Angeborenes Fehlen der Samenleiter

Bei einigen Männern sind die Samenleiter von Geburt an nicht angelegt. Die Hoden produzieren häufig dennoch Spermien, diese können jedoch nicht in das Ejakulat gelangen. Diese Veränderung steht oft mit Veränderungen des CFTR-Gens in Verbindung, das auch bei der Erbkrankheit Mukoviszidose eine Rolle spielt.

Lebensstil: Viele Risiken lassen sich beeinflussen

Die gute Nachricht ist: Viele Faktoren, die die Fruchtbarkeit beeinträchtigen können, sind veränderbar.

Rauchen

Tabakkonsum gehört zu den wichtigsten vermeidbaren Risikofaktoren. Schadstoffe aus dem Zigarettenrauch erhöhen den sogenannten oxidativen Stress im Körper. Dadurch können Anzahl, Beweglichkeit und Form der Spermien sowie deren Erbgut geschädigt werden.

Übergewicht

Starkes Übergewicht verändert den Hormonhaushalt. Der Testosteronspiegel kann sinken, während weibliche Hormone zunehmen. Gleichzeitig fördern Übergewicht und Bewegungsmangel Entzündungsprozesse, die sich ebenfalls negativ auf die Fruchtbarkeit auswirken können.

Alkohol und Drogen

Gelegentlicher Alkoholkonsum scheint die Fruchtbarkeit meist nur gering zu beeinflussen. Regelmäßiger oder starker Alkoholkonsum kann jedoch die Hormonproduktion und die Spermienbildung verschlechtern.

Auch Cannabis, Kokain und andere Drogen können die Samenqualität beeinträchtigen. Besonders problematisch sind anabole Steroide, die beispielsweise zum Muskelaufbau missbraucht werden. Sie unterdrücken die körpereigene Testosteronproduktion und können dazu führen, dass zeitweise überhaupt keine Spermien mehr gebildet werden.

Ernährung, Bewegung und Schlaf

Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Nüssen und gesunden Fetten unterstützt die allgemeine Gesundheit und möglicherweise auch die Fruchtbarkeit. Regelmäßige Bewegung wirkt sich ebenfalls positiv aus. Dagegen können chronischer Schlafmangel und anhaltender Stress den Hormonhaushalt beeinflussen und die Spermienqualität verschlechtern.

Umweltfaktoren rücken zunehmend in den Fokus

Neben dem Lebensstil beschäftigen sich Forscher immer intensiver mit Umweltbelastungen. Verschiedene Chemikalien stehen im Verdacht, die männliche Fruchtbarkeit zu beeinträchtigen.

Dazu gehören unter anderem:

  • Pestizide aus der Landwirtschaft
  • Schwermetalle wie Blei oder Cadmium
  • Lösungsmittel
  • bestimmte Industriechemikalien
  • hormonaktive Stoffe wie Bisphenol A (BPA) oder Phthalate, die unter anderem in einigen Kunststoffen vorkommen können

Viele dieser Stoffe wirken als sogenannte endokrine Disruptoren. Sie können hormonelle Prozesse im Körper stören und dadurch möglicherweise die Spermienbildung beeinflussen. Wie groß der Einfluss einzelner Stoffe im Alltag tatsächlich ist, wird weiterhin intensiv erforscht.

Hitze – ein oft unterschätzter Risikofaktor

Die Hoden liegen außerhalb des Körpers, weil die Spermienproduktion Temperaturen benötigt, die etwa zwei bis vier Grad unter der Körpertemperatur liegen.

Eine länger anhaltende Wärmeeinwirkung kann die Samenqualität vorübergehend verschlechtern. Dazu zählen beispielsweise:

  • häufige und sehr heiße Saunagänge
  • regelmäßige heiße Vollbäder oder Whirlpools
  • starke Hitzebelastung am Arbeitsplatz
  • lang andauernde Wärmeeinwirkung auf den Hodensack

Normales Sitzen, das Tragen üblicher Kleidung oder die gelegentliche Nutzung eines Laptops führen nach aktuellem Wissensstand meist nicht zu einer dauerhaft eingeschränkten Fruchtbarkeit. Dennoch kann es sinnvoll sein, längere starke Hitzeeinwirkungen zu vermeiden, wenn ein Kinderwunsch besteht.

Wann sollte eine Untersuchung erfolgen?

Bleibt eine Schwangerschaft trotz regelmäßigen ungeschützten Geschlechtsverkehrs über zwölf Monate aus, sollten beide Partner ärztlich untersucht werden. Ist die Partnerin über 35 Jahre alt oder bestehen bekannte Risikofaktoren, kann eine frühere Abklärung sinnvoll sein.

Zur Untersuchung des Mannes gehören unter anderem:

  • ein ausführliches Gespräch über Vorerkrankungen und Lebensstil,
  • eine körperliche Untersuchung,
  • ein Spermiogramm zur Beurteilung der Samenqualität,
  • bei Bedarf Hormon- und genetische Untersuchungen sowie eine Ultraschalluntersuchung.

Die männliche Fruchtbarkeit wird sowohl von genetischen als auch von beeinflussbaren Faktoren bestimmt. Ein gesunder Lebensstil mit Verzicht auf Nikotin und Drogen, einem normalen Körpergewicht sowie möglichst geringer Belastung durch Schadstoffe und starke Hitze kann die Fruchtbarkeit unterstützen. Bei einem unerfüllten Kinderwunsch sollte frühzeitig eine andrologische Untersuchung erfolgen.

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