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Blasenkrebs erkennen: Kann ein neuer Urintest die Blasenspiegelung ersetzen?

Ein einfacher Urintest könnte künftig dabei helfen, Blasenkrebs früher und gezielter zu erkennen. Neue Forschungsergebnisse zeigen vielversprechende Ergebnisse. Doch kann der Urintest tatsächlich die Blasenspiegelung ersetzen?

Blut im Urin – medizinisch Hämaturie genannt – sollte immer ärztlich abgeklärt werden. Denn dahinter können ganz unterschiedliche Ursachen stecken: von einer Harnwegsinfektion über Nierensteine bis hin zu Blasenkrebs.

Bisher gehört bei vielen Patientinnen und Patienten eine Blasenspiegelung (Zystoskopie) zur weiteren Untersuchung. Dabei wird ein dünnes Instrument über die Harnröhre in die Blase eingeführt, um die Blasenschleimhaut direkt zu betrachten.

Das Verfahren ist sehr zuverlässig, wird von vielen Menschen aber als unangenehm empfunden. Deshalb suchen Forschende seit Jahren nach Möglichkeiten, Blasenerkrankungen möglichst einfach und schonend zu erkennen.

Ein neuer molekularer Urintest könnte dabei künftig eine wichtige Rolle spielen.

Was kann der neue Urintest?

Der Test GALEAS Bladder untersucht nicht nur den Urin auf sichtbare Veränderungen. Er sucht nach bestimmten Veränderungen in der DNA, die typisch für Blasenkrebs sein können.

Dafür wird lediglich eine Urinprobe benötigt. Die Hoffnung: Mithilfe solcher molekularen Tests könnte sich besser einschätzen lassen, bei welchen Menschen eine Blasenspiegelung besonders wichtig ist – und bei wem möglicherweise darauf verzichtet oder sie zunächst verschoben werden kann.

Wie gut das funktioniert, wurde nun in einer größeren Untersuchung in Großbritannien getestet.

Gute Ergebnisse bei fast 1.000 Menschen

An der Studie nahmen 964 Menschen teil, die wegen Blut im Urin zur urologischen Untersuchung überwiesen worden waren. Bei 77 von ihnen wurde anschließend tatsächlich Blasenkrebs festgestellt.

Der Urintest erkannte 71 der 77 Tumoren. Das entspricht einer Trefferquote von rund 92 Prozent.

Besonders interessant: Alle 17 Fälle von muskelinvasivem Blasenkrebs, also einer aggressiveren Form der Erkrankung, wurden vom Test erkannt. Auch bei den sogenannten High-Grade-Tumoren, die als besonders behandlungsbedürftig gelten, waren die Ergebnisse sehr gut.

Noch wichtiger für die Frage, ob eine Untersuchung möglicherweise nicht notwendig ist: Bei einem negativen Testergebnis war die Wahrscheinlichkeit, dass trotzdem Blasenkrebs vorlag, in dieser Studie sehr gering. Der sogenannte negative Vorhersagewert lag bei über 99 Prozent.

Bedeutet das jetzt: Keine Blasenspiegelung mehr?

Nein – zumindest noch nicht.

Auch wenn die Ergebnisse vielversprechend sind, kann ein Urintest die Blasenspiegelung derzeit nicht vollständig ersetzen.

Der Grund ist einfach: Bei einer Blasenspiegelung kann der Arzt oder die Ärztin die Blase direkt anschauen. Auffällige Stellen können anschließend gezielt weiter untersucht und gegebenenfalls Gewebeproben entnommen werden.

Ein Urintest liefert dagegen eine Wahrscheinlichkeitsaussage. Ein positives Ergebnis bedeutet nicht automatisch, dass jemand Blasenkrebs hat. Umgekehrt wurden in der aktuellen Studie auch einige Tumoren vom Test nicht erkannt.

Der neue Ansatz könnte deshalb zunächst vor allem dabei helfen, die richtige Untersuchung für die richtige Person auszuwählen.

Was könnte sich für Patienten ändern?

Stellen Sie sich vor, zwei Menschen kommen mit Blut im Urin in die urologische Praxis.

Heute kann bei entsprechendem Risiko eine Blasenspiegelung notwendig sein, um einen Tumor sicher auszuschließen.

Künftig könnte ein molekularer Urintest möglicherweise dabei helfen, das persönliche Risiko genauer einzuschätzen. Bei einem unauffälligen Ergebnis könnte bei bestimmten Patienten eine invasive Untersuchung eventuell vermieden oder zunächst zurückgestellt werden. Bei einem auffälligen Ergebnis könnte dagegen besonders schnell eine Blasenspiegelung erfolgen.

Das könnte für Patientinnen und Patienten weniger belastende Untersuchungen bedeuten – und gleichzeitig dazu beitragen, dass Menschen mit einem tatsächlichen Tumor schneller die notwendige Diagnostik erhalten.

Warum ist Blut im Urin so wichtig?

Blut im Urin sollte grundsätzlich ernst genommen werden – auch wenn es nur einmal auftritt und keine Schmerzen verursacht.

Dabei muss Blut nicht immer mit bloßem Auge sichtbar sein. Es kann auch nur bei einer Untersuchung des Urins festgestellt werden.

Die Ursachen sind vielfältig und häufig harmlos. Trotzdem gehört Blasenkrebs zu den Erkrankungen, die ausgeschlossen werden müssen – insbesondere bei bestimmten Risikofaktoren wie höherem Alter oder Rauchen.

Wichtig ist deshalb: Blut im Urin nicht einfach abwarten, sondern ärztlich abklären lassen.

Was kommt als Nächstes?

Bevor molekulare Urintests flächendeckend eingesetzt werden können, sind weitere Untersuchungen notwendig. Forschende müssen unter anderem klären, bei welchen Patientinnen und Patienten der Test am zuverlässigsten eingesetzt werden kann und ob sich durch seinen Einsatz tatsächlich unnötige Blasenspiegelungen vermeiden lassen, ohne relevante Tumoren zu übersehen.

Die aktuellen Ergebnisse machen jedoch Hoffnung.

Die Zukunft der Blasenkrebsdiagnostik könnte deshalb nicht unbedingt heißen „Urintest statt Blasenspiegelung“, sondern vielmehr:

„Urintest vor Blasenspiegelung – um besser entscheiden zu können, wer sie wirklich braucht.“

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Ein neuer molekularer Urintest kann bestimmte Veränderungen in der DNA von Blasentumoren erkennen.
  • In einer aktuellen Studie erkannte der Test rund 92 Prozent der Blasenkrebserkrankungen.
  • Alle untersuchten muskelinvasiven Tumoren wurden erkannt.
  • Ein negatives Testergebnis machte Blasenkrebs in der Studie sehr unwahrscheinlich.
  • Die Blasenspiegelung bleibt vorerst ein wichtiger Bestandteil der Diagnostik.
  • In Zukunft könnten Urintests aber helfen, Untersuchungen gezielter einzusetzen und möglicherweise unnötige Blasenspiegelungen zu vermeiden.
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