Nicht rauchen, sich regelmäßig bewegen, ausgewogen essen und auf ein gesundes Körpergewicht achten: Ein gesunder Lebensstil kann dazu beitragen, das Risiko für zahlreiche Krebserkrankungen zu senken. Eine große Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) bestätigt diesen Zusammenhang und liefert neue Erkenntnisse zu einigen selteneren Krebsarten.
Wie lässt sich das eigene Krebsrisiko beeinflussen? Diese Frage beschäftigt viele Menschen – sowohl diejenigen, die sich aktiv mit ihrer Gesundheit auseinandersetzen, als auch Patientinnen und Patienten sowie Angehörige von Betroffenen. Eine aktuelle Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) zeigt, dass mehrere gesundheitsfördernde Verhaltensweisen gemeinsam mit einem geringeren Risiko für verschiedene Krebserkrankungen verbunden sind.
Mehr als 287.000 Menschen untersucht
Für die Studie werteten die Forschenden die Daten von 287.745 Menschen aus der britischen UK Biobank aus. Zu Beginn der Untersuchung hatten die Teilnehmenden keine Krebserkrankung. Im Verlauf der durchschnittlich 11,5-jährigen Beobachtungszeit wurde bei 12.947 Personen Krebs diagnostiziert.
Das Forschungsteam untersuchte fünf Faktoren, die für einen gesunden Lebensstil eine wichtige Rolle spielen:
- Nicht rauchen: Der Verzicht auf Tabak ist eine der wichtigsten Maßnahmen zur Vorbeugung verschiedener Krebserkrankungen.
- Ein gesundes Körpergewicht: Übergewicht kann das Risiko für mehrere Krebsarten erhöhen.
- Regelmäßige Bewegung: Körperliche Aktivität unterstützt die Gesundheit und kann zur Krebsprävention beitragen.
- Ausgewogene Ernährung: Eine abwechslungsreiche, ausgewogene Ernährung ist ein wichtiger Bestandteil eines gesundheitsfördernden Lebensstils.
- Alkohol nur in geringem Maß oder gar nicht: Auch der Alkoholkonsum beeinflusst das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen.
Für jeden dieser Faktoren, der als gesundheitsfördernd eingestuft wurde, erhielten die Teilnehmenden einen Punkt. Anschließend verglichen die Forschenden Menschen mit vier oder fünf Punkten mit Personen, die keinen oder nur einen Punkt erreichten.
Das Krebsrisiko war bei gesundem Lebensstil deutlich niedriger
Das Ergebnis: Menschen mit einem hohen Lebensstil-Score hatten während des Beobachtungszeitraums ein um 29 Prozent niedrigeres Risiko, an Krebs zu erkranken, als Menschen mit einem niedrigen Score.
Bei 13 von 27 untersuchten Krebsarten zeigte sich ein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen einem gesünderen Lebensstil und einem geringeren Erkrankungsrisiko. Dazu gehörten unter anderem:
- Lungenkrebs
- Darmkrebs
- Magenkrebs
- Leberkrebs
- Bauchspeicheldrüsenkrebs
- Nierenkrebs
- Blasenkrebs
- Brustkrebs nach den Wechseljahren
Darüber hinaus fanden die Forschenden Hinweise auf Zusammenhänge bei einigen selteneren Krebsarten. Dazu zählt beispielsweise das Weichteilsarkom, eine Gruppe von Tumoren, die im Weichgewebe entstehen können.
Damit bestätigt die Studie viele bereits bekannte Erkenntnisse und erweitert das Wissen über mögliche Zusammenhänge zwischen Lebensstil und Krebsrisiko.
Rauchen und Übergewicht spielen eine besonders wichtige Rolle
Besonders deutlich waren die Zusammenhänge beim Rauchen und bei Übergewicht. Rauchen war in der Untersuchung statistisch bedeutsam mit zwölf der betrachteten Krebsarten verbunden, Übergewicht mit zehn.
Die Forschenden untersuchten außerdem, welcher Anteil der Krebsfälle in der untersuchten Bevölkerung statistisch mit einer unzureichenden Umsetzung der fünf Empfehlungen für einen gesunden Lebensstil in Verbindung gebracht werden konnte. Die Schätzungen fielen je nach Krebsart unterschiedlich aus. Besonders hoch waren sie bei Kehlkopfkrebs mit rund 66 Prozent, Lungenkrebs mit rund 52 Prozent und Rachenkrebs mit rund 30 Prozent.
Wichtig ist dabei die richtige Einordnung: Diese Zahlen beschreiben statistische Schätzungen für eine Bevölkerungsgruppe. Sie sagen nicht voraus, ob eine einzelne Person an Krebs erkranken wird, und bedeuten auch nicht, dass sich jeder Krebsfall durch eine Änderung des Lebensstils verhindern ließe.
Was bedeutet das für die Krebsprävention?
Die Ergebnisse zeigen, dass sich verschiedene gesundheitsfördernde Verhaltensweisen sinnvoll ergänzen können. Wer nicht raucht, sich regelmäßig bewegt, auf ein gesundes Körpergewicht achtet und sich ausgewogen ernährt, kann dazu beitragen, das eigene Krebsrisiko zu verringern. Auch beim Alkohol gilt: Je weniger, desto besser für die Krebsprävention.
Dabei muss niemand von heute auf morgen alle Gewohnheiten verändern. Schon kleine, realistische Schritte können helfen, den Alltag gesünder zu gestalten. Welche Veränderungen sinnvoll und umsetzbar sind, hängt auch von der persönlichen Lebenssituation und dem Gesundheitszustand ab.
Ein gesunder Lebensstil bietet allerdings keine Garantie, nicht an Krebs zu erkranken. Auch Menschen, die gesund leben, können Krebs entwickeln. Umgekehrt bedeutet eine Krebserkrankung nicht, dass Betroffene etwas falsch gemacht haben. Neben beeinflussbaren Faktoren spielen unter anderem Alter, erbliche Veranlagung und weitere Einflüsse eine Rolle.
Was die Studie für die urologische Gesundheit bedeutet
Auch für die Urologie sind die Ergebnisse von Interesse: Nieren- und Blasenkrebs gehörten zu den untersuchten Krebsarten, bei denen ein gesünderer Lebensstil mit einem geringeren Erkrankungsrisiko verbunden war.
Gerade beim Blasenkrebs ist der Verzicht auf das Rauchen besonders wichtig, da Tabakkonsum ein bedeutender Risikofaktor ist. Für die individuelle Vorsorge und das persönliche Erkrankungsrisiko sind jedoch weitere Faktoren zu berücksichtigen. Ein gesunder Lebensstil ersetzt deshalb weder eine ärztliche Beratung noch die Abklärung von Beschwerden.
Die Studie unterstreicht insgesamt eine ermutigende Botschaft: Wir können nicht alle Risikofaktoren für Krebs beeinflussen. Mit einem gesunden Lebensstil lässt sich jedoch ein wichtiger Beitrag zur Vorbeugung zahlreicher Krebserkrankungen leisten.
Quelle: Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), Auswertung von Daten der britischen UK Biobank.